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Die Tomas


Der chilenische Tag



Heute wurden Jola und ich morgens um 9:30 wieder in die Epa bestellt, um nach oben in die Toma zu fahren. Die Tomas sind Gebiete oben auf dem Berg, die illegal besetzt wurden und manchmal keinen Strom oder fließendes Wasser haben. Pünktlich um 10:40 ging es dann los.  Es hat weh getan so früh aufzustehen, weil wir am Freitagabend mit Chilenen im Surco, einem Kulturzentrum hier in Achupallas, bei einem Jazz Konzert waren und danach noch den Abend mit entspannten Gesprächen, Glühwein (jaaa es gibt Glühwein hier!) und einem schönen Feuerchen haben ausklingen haben lassen. 

Props to Jola für dieses zuckersüße Bild!

Nach einer abenteuerlichen Fahrt im Jeep hoch nach oben auf den Berg, haben wir mit den Kindern gemalt und zusammen gesungen. Während Jola Fotos für die Schule gemacht hat, habe ich mich mit einem kleinen Jungen unterhalten, der ein bisschen abseits allein saß. Am Anfang war er sehr schüchtern, bat mich dann aber auch darum ihm ein paar Deutsche Wörter beizubringen, was mich (positiv!) überrascht hat. Nach 5 Stunden war unser Arbeitstag am Samstag dann beendet und wir auf der Suche nach einer Pause. Nach dem Essen ging es dann aber schon wieder zu dem Haus von Jola, in dem ihre Gastmutter und ihr Gastbruder uns netterweise den chilenischen Nationaltanz beigebracht haben, den wir zum Nationalfeiertag am 18. September als Freiwillige traditionell in der Epa aufführen müssen. Wir haben stundenlang zusammen getanzt und nachdem ich verstanden hatte, wie es funktioniert, fand ich es auch ganz lustig, Trotzdem glaube ich immer noch dass meine Freunde mich auslachen werden, wenn wir bei der Aufführung dann sogar noch die traditionelle Tracht tragen. Bitte lacht wenigstens nicht laut haha.  



Nach dem Tanzen sind wir zum Supermarkt gefahren, um Zutaten für Completos zu kaufen, die wir dann zuhause zubereitet haben. Completos sind eine Art Hotdog, die (für mich vegetarisch) mit Tomaten, Avocado, Mayonnaise, Senf und Ketchup gefüllt werden und die es hier an jeder Ecke zu kaufen gibt. Noch chilenischer konnte der Tag eigentlich nicht mehr werden (wartets ab). Die Avocados für die Completos stammen vom Avokadobaum im Garten und schmecken viel besser als in Deutschland. Mehr muss ich eigentlich nicht sagen oder? Sie waren riquisima! Bei dem ganzen Geschlemme hier hat man schon mal Angst auch die Form einer Avokado anzunehmen, aber dafür gehen wir ja jetzt alle drei mit Jolas Gastmama zum Zumbakurs im örtlichen Fitnessstudio. Wie Zuhause.

Um den Tag noch chilenischer zu machen, rief mich dann noch mein Freund an, und lud uns drei zum Konzert seiner chilenischen Lieblingsband  Kuervos del sur in Valparaiso ein. Ich war sofort Feuer und Flamme, letztendlich wollten die anderen aber nicht mitkommen, weil es  ihnen zu spät war. Ich entschloss mich, trotzdem mitzugehen und habe es absolut nicht bereut!  Um 10:00 wurde ich von ihm abgeholt und auf dem Weg nach Valpo haben wir dann noch seinen Cousin und einen Freund eingesammelt. Im Auto wurde dann gleich reggaeton angemacht und im Auto dazu getanzt, ich glaube da haben sich die Chilenen und Maite gefunden. Allein die Fahrt habe ich sehr genossen. Angekommen in der Bar mussten wir dann noch bis 1:30 warten, bis es mit der Hauptband los ging. In der Zeit konnten wir uns super unterhalten, alle waren echt nett zu mir und haben alle meine Fragen (auch die politischen) beantwortet. Für mich ist es interessant, was die Chilenen selbst zur Situation heute und zur Geschichte ihres Landes zu sagen haben.  
Mit den Vorbands und einer Pisco-Cola stieg die Stimmung und als es losging war es fast magisch für mich. So viel Spaß hatte ich bisher noch nie in Chile, vor mir eine Rockband, die mit allem was sie hat dabei ist, bunte Lichter und ein haareschwingender-lauthals-mitsingender Solo Manolo, dem es einfach zu süß dabei zuzuschauen ist, wie er seine Lieblingsband feiert. 
Auch wenn ich die Band vorher nicht kannte, war die Musik total ansteckend und meine Haare wurden kurzerhand als Tanzaccesoire gebraucht.
Ein Abend ohne nachdenken, einfach nur die Musik fühlen und den Moment genießen und so richtig abgehen. Um 4 Uhr  war das Konzert zu Ende und wir sind noch ein bisschen spazieren gegangen, bis wir vom uber abgeholt wurden. Die Jungs haben wirklich die ganze Zeit auf mich aufgepasst, und mir auch gleich ihre Wingtsun Techniken demonstriert (es war nicht so leicht sie auseinander zu bekommen) jedenfalls wären sie super Bodyguards und haben mich sicher nach Hause gebracht und dafür bin ich dankbar. (Also macht euch keine Sorgen!) Ein unvergesslicher Abend – und mein erstes richtiges Konzert!




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