Busfahren ist mein neues Hobby. Für nur 12€ sitze ich jetzt 9 Stunden in diesem Bus, und kann mir den Regenwald anschauen.
Es ist wie eine Fantasiewelt, die vor meinen Augen vorbeizieht. Palmen, Regenwald, grün, grün, grün so weit das Auge reicht, Täler und nebelverhangene Wälder.
Ich frage mich, warum ich in Deutschland eigentlich immer so lange Busfahrten vermieden habe und es im Urlaub gar nicht schlimm ist, 9 Stunden zu sitzen. Naja, die Motivation ist hier auch eine Andere, wenn ich mir dafür die ganze Zeit den Regenwald ansehen kann. Es ist wirklich, wirklich einmalig schön hier.
Klimatische Bedingungen
Das Klima ist sooooooo komisch. Zuerst strahlt die Sonne, plötzlich verdunkelt sich der Himmel, es folgt ein einen vollkommen durchnässender Schauer und nach wenigen Minuten ist alles wieder wie es vorher war, gewärmt von der Sonne. Der Himmel hier ist wie eine ewige PMS.
Ich mag es.
Der Regen ist warm. So angenehm, dass man darunter tanzen könnte.
Ich muss sagen, dass ich das Klima in San josé im Dezember wirklich gut finde. Es ist warm, aber windig, und nicht so warm, dass man die ganze Zeit schwitzt. Perfekt warm.
Nationalpark
Heute ist der große Tag. Und leider muss man für große Tage immer früh aufstehen (lasst uns den nächsten großen Tag einfach um 12:00 mit einem fetten Brunch beginnen. Und Crêpes.) Jedenfalls stehe ich nun hier, pünktlich um 5:00, um auf den Jeep zu warten, der mich und zwei weitere Abenteuer in den Dschungel bringen soll. Maite war pünktlich, aber natürlich die Anderen nicht. Typisch. Okay, eigentlich ist es immer andersrum haha.Die Fahrt ist ziemlich wild. Hätte ich es nicht besser gewusst, ich hätte gedacht, der Fahrer versucht den Jeep seiner Ex-Frau kaputt zu fahren. Wir fahren durch viele Flüsse und solche Anhöhen hinauf, sogar teilweise den Flusslauf nach oben. Echt krass.
Am Parkeingang angekommen schnattert unser Guide erst mal mit dem Ranger. Maite schnattert aufgrund ihrer fancy Spanisch Skills auch erst mal mit dem Ranger. Die anderen Beiden können überhaupt kein Spanisch.
Es geht los mit der Wanderung, und direkt sehen wir einen Otter in einem Flusslauf, der an die Wasseroberfläche springt, und geschickt einen kleinen Fisch mit seinen Zähnen schnappt.
Unser Guide zeigt uns allerlei Pflanzen, die hier im Regenwald wachsen und lässt uns raten, um was für Alltagspflanzen es sich handelt. Ich fühle mich ein bisschen wie bei einer Quizshow, die man nicht gewinnen kann. Wenigstens löst er das Rätsel jedes Mal auf, nachdem er sich an unseren ratlosen Stadtmenschgesichtern sattgesehen hat. Unser Guide löst gerade unter staunenden 'ohhhs' das Rätsel um eine Anispflanze auf, da schaltet sich der Österreicher ein:" Kann man damit Schnaps machen?". Du stellst wirklich die richtigen Fragen junger Mann.
Der Aufstieg ist wirklich hart. Ich struggle mit dem matschigen Boden, auf dem ich entweder wegrutsche oder feststecke, den schlechtsitzenden Rucksäcken und meiner sich immer wieder beschlagenen Brille. Wie soll ich denn den Regenwald überhaupt sehen können, wenn meine Brille die ganze Zeit ich-sehe-nichts-weil-du-nichts-siehst spielt.
Da hilft es auch nicht, dass wir Dinge lernen, wie zum Beispiel, dass Vanille zu der Familie der Orchideen gehört. (Wer hätte das vermuten können????)
Die Wanderung im Regenwald ist ein Mix aus Schweiß, Sonnencreme, Feuchtigkeit und Insektenschutz, alles zusammen mit meinen Klamotten klebend auf meiner Haut. Lecker. Im Regenwald zu wandern ist definitiv etwas Anderes.
Unser Guide ist ein bisschen komisch, ein Typ der einfach nie redet und auch nicht wirklich caret. Er läuft einfach vorweg, egal wie weit wir zurückliegen, und der uns klar macht, dass er keine Lebensentscheidungen für uns treffen wird. Das Geheimnis vor dem Durchqueren des Flusses die Schuhe auszuziehen hätte er aber schon mit uns teilen können.
Aber er ist wirklich guter Guide.
Ich lerne während der Wanderung von ihm, das Mücken eher Krankheiten übertragen in Gegenden mit verschmutztem Wasser durch Menschen wie zum Beispiel in der Hauptstadt San José als hier im Nationalpark, den Unterschied zwischen Primär- und Sekundärwald, den man dadurch erkennt, dass früher dort angebaut wurde und es immer noch Früchte gibt und wie man Tiere im Urwald aufgrund von ihren Rufen, Fußabdrücken, Rascheln oder Gerüchen auswendig machen kann. Es ist ein bisschen wie Indiana Jones in der Wildnis, auf der Suche nach Tierarten, nur mit Gepäck. Und ohne Peitsche. Die habe ich schön Zuhause im Bett gelassen.
Mit der Zeit gewöhne ich mich an das Laufen und es wird immer besser. Ich genieße es mittlerweile richtig, mitten durch den tiefen Schlamm zu patschen (was wir müssen, weil direkt hinter dem Guide zu laufen die einzige Möglichkeit ist, Schlangen sicher zu vermeiden) und es fühlt sich einfach so frei an, weil man sonst immer so darauf achtet, nicht dreckig zu werden und es hier der einzige Weg ist.
Wir sehen so viele verschiedene Tiere. Den berühmten Tukan, alle möglichen anderen tropische Vögel, farbenfrohe, quirlige Kolibris, blau leuchtende Morphofalter, Krokodile, die aussehen wie Plastikdekoration und blätterknabbernde, kreischende Affen.
Der Regenwald an sich verändert sich stetig, hinter jeder Ecke in die wir biegen sieht er anders aus, aber hinterlässt immer den selben Eindruck bei mir: es fühlt sich magisch an.
Unser Guide erklärt uns, dass der Sinn des Lebens eines Tiere ist, Essen zu finden. Wäre das auch etwas für mich? "Ich bin beschäftigt Freunde, ich muss essen suchen, over and out".
Nach 10 Stunden laufen kommen wir endlich an der Rangerstation an, und bekommen ein tolles Menü serviert. Einem frischen Salatbuffet nach dem Wandern gegenüber zu stehen, anstatt sich Püreepulver anzurühren, hat schon was. Es gibt sehr leckere typische Gerichte, Reis, Bohnen, catamal, Karamellisierte Bananen, Fleisch und extra ein Omelett für mich. Und zum Nachtisch gibt es Milchreis!!!
Nachdem wir alle schön aufgegessen haben, bleibt noch ein bisschen Zeit und ich beobachte von der Veranda aus ein paar Typen, die ernsthaft Fußball spielen.. Wer hat denn bitte jetzt noch Energie für Fußball??!
Wir sitzen bis in die Nacht zusammen und unser Guide (wir können ihn an dieser Stelle mal beim Namen nennen: Gerson) macht sich über mich lustig, weil ich mich schon wieder überall (ja ein bisschen paranoid) mit Mückenmittel einreibe und trotzdem ständig an meinen Beinen entlangfahre, weil ich das Gefühl habe, dass mich etwas stechen will. Ich liebe mein Bett sehr (es hat ein Moskitonetz).
Zum Abschluss des Tages chillt noch ein wildes Tapir direkt neben der Veranda (eins der seltensten Tiere hier im Park), um uns eine Gute Nacht zu wünschen.
Jetzt regnet es im Regenwald, Buenas noches.


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