Der Tag beginnt wieder um 4:30 Uhr (hört das denn nie auf?!)
mit einer kleinen Wanderung im Dunkeln. Wir müssen uns ganz besonders nah am
Guide halten, weil bei Nacht viele (giftige) Schlangen und andere Kleintiere im
Regenwald aktiv werden. Es geht also im Entenmarsch durch den Matsch. Maite
macht es jetzt wie Gerson und hat sich in der Rangerstation Gummistiefel
(botas) ausgeliehen. Das ist viel praktischer bei den Tausenden von Flüssen,
die wir überqueren müssen (Brücken werden überbewertet Leute).
Während wir noch trotz offener Augen schlafend durch den
Wald dackeln, ist unser Guide schon wieder dabei, winnetoustyle Wildtiere
aufzuspüren. Er kniet sich plötzlich hin, und als ich näher komme, sehe ich
auch was er sieht: Fußspuren eines Tapirs. Habe ich natürlich sofort gewusst,
von meiner jahrelangen Tapiraufspürerfahrung in der Innenstadt von Berlin. Die
ist ja bekannt dafür.
Wir bewegen uns wieder und ein paar Meter weiter öffnet sich
plötzlich das Meer aus Bäumen und wir stolpern auf einen menschenleeren, weißen
Sandstrand. Genau zur richtigen Zeit, denn der Himmel taucht sich in das Licht
des Sonnenaufgangs und die watteweichen Wolken ergießen sich wie hellrosa und
orangfarbene Kotze auf den Pazifik. Wunderschön.
Und es juckt ihn überhaupt nicht. Er schlürft daran vorbei,
so wie ich in Jogginghose auf meinem Weg
zum Bäcker ,nachdem ich die letzte Nacht nicht ganz so nüchtern überstanden
habe; im Gegensatz dazu laufe ich vor dem leuchtenden Sonnenaufgang wie ein
Kind, das zum ersten Mal aus dem Käfig gelassen wird und Tageslicht sieht.
Aufmerksam, mit offenem Mund, bereits Pläne für die Hütte schmiedend, die ich
mir hier für den Rest meines Lebens bauen werde.
Als wir vier mit knurrendem Magen und glücklichen Mienen
wieder zur Rangerstation zurückkehren, wartet schon das perfekte Frühstück auf
uns: Gebratene Kochbananen, Gallo Pinto, Rührei, Papaya und Melone. Einfach
himmlisch!
Sonne, Satt und Telenovelas
Gerade wenn man denkt, der Tag könnte nicht interessanter
werden, brechen vier neugierige Erwachsene wieder zu einer Wanderung in den sie
umgebenden Regenwald auf. Kein Rätsel soll ungelöst, keine Frage ungestellt,
keine Vermutung unbegründet bleiben und so kommt es, dass vier erwachsene
Menschen, um 11:00 vormittags vor einem Baum stehen, um sich die Klitoris eines
Affenweibchens durch das Teleskop anzusehen. Wir sind nicht weird oder so. Aber
Gerson meinte beim ersten Blick auf die Affen (ohne Teleskop wohlgemerkt), dass
es sich um Weibchen handle. Und ich musste natürlich unbedingt hinterfragen, wie
er so etwas herausgefunden wollen hat. Nun ja, ein durchaus interessantes Gesprächsthema,
um sich auf der Wanderung besser kennenzulernen.
Zurück in der Basis wird nach dem Essen erstmal gechillt.
Ich gehe nach vorne und setze mich auf die Veranda. Es ist der 2. Dezember, ich
lege meine Beine hoch und genieße die Sonnenstrahlen auf meiner Haut und den
Blick in den immergrün leuchtenden Dschungel gerichtet. Ach ja, das hier ist
unglaublich schön.
Die Lokals in der Station erzählen mir ihren ganzen Tratsch,
teils weil ich Spanisch sprechen kann und teils weil ihnen dort, abgeschieden
von jeglicher Zivilisation, schon einmal langweilig werden kann. Das ist auch
so ein Ding in Lateinamerika. Dir wird jeglicher gossip erzählt, auch oder
gerade weil du überhaupt nicht gefragt hast. Und irgendwie interessiert es
einen dann schon ein ganz klitzekleines Bisschen. Fragen würde ich aber nie.
Jedenfalls bringe ich diesmal in Erfahrung, dass die zwei Spanierinnen aus
meinem Bus immer während der Essenszeiten heimlich auf der Toilette
verschwinden, um Mitgebrachtes zu essen (OH MEIN GOTT). Obwohl das innerhalb
des Parks verboten ist und die Gäste deshalb freundlich dazu gezwungen wurden,
in einem Restaurant zu essen. Es gibt aber nur Eins. Innerhalb von einem
9-Stunden-Radius. Tja. Da bekomme ich aber wirklich
Entscheidungsschwierigkeiten. Glücklicherweise ist das Essen in der Sirena
Station genau so köstlich, wie es in allen Tripadviserbewertungen steht (Das
Essen wurde in jedem, wirklich jedem Kommentar erwähnt. Ich interessiere mich natürlich
nicht für das artenreiche Wildleben, die Natur oder die paradiesischen Strände,
welche ich im Park bestaunen kann. Hauptsache das Mittagessen ist gut!!)
Apropos Essen. Als ich heimlich an meinen Shirts rieche, um
anhand des Grades meiner Gesichtsverzerrung festzustellen, welches etwas
weniger stinkt, und welches ich also an meinem letzten Tag anziehen werde, erwischt
mich die Putzfrau dabei und lacht. Aber da wir in einer Telenovela leben, haut
sie gleich eine wunderbare Geschichte raus: Erst gestern hätte sie einen Typen beobachtet,
der auch an seiner Kleidung gerochen hat.
Allerdings an seiner Unterhose.
HINTEN an seiner Unterhose. Na lecker.
Wer weiß, was sie über mich erzählen werden.



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