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Im Dschungel



Der Tag beginnt wieder um 4:30 Uhr (hört das denn nie auf?!) mit einer kleinen Wanderung im Dunkeln. Wir müssen uns ganz besonders nah am Guide halten, weil bei Nacht viele (giftige) Schlangen und andere Kleintiere im Regenwald aktiv werden. Es geht also im Entenmarsch durch den Matsch. Maite macht es jetzt wie Gerson und hat sich in der Rangerstation Gummistiefel (botas) ausgeliehen. Das ist viel praktischer bei den Tausenden von Flüssen, die wir überqueren müssen (Brücken werden überbewertet Leute).

Während wir noch trotz offener Augen schlafend durch den Wald dackeln, ist unser Guide schon wieder dabei, winnetoustyle Wildtiere aufzuspüren. Er kniet sich plötzlich hin, und als ich näher komme, sehe ich auch was er sieht: Fußspuren eines Tapirs. Habe ich natürlich sofort gewusst, von meiner jahrelangen Tapiraufspürerfahrung in der Innenstadt von Berlin. Die ist ja bekannt dafür.
 Hastig fängt Gerson an zu Laufen, redet gar nicht mehr mit uns und auf der rechten Seite sehen wir gerade noch einen süßen Tapirhintern hinter den Bäumen verschwinden. Jetzt muss es schnell gehen. Wir rennen hinter ihm her, der wie ein Bluthund an seiner Spur hängt und nicht locker lässt. Nach einem Spießrutenlauf durch den Wald bleiben wir auf einer Brücke plötzlich stehen und Gerson breitet hastig das Teleskop auf. Wir warten. Und auf einmal kommt direkt vor uns das Tapir samt Baby aus dem Wald gestapft. Sie waten den Flusslauf entlang, genau wie unser Guide es vorhergesehen hatte. Einfach grandios.

Wir bewegen uns wieder und ein paar Meter weiter öffnet sich plötzlich das Meer aus Bäumen und wir stolpern auf einen menschenleeren, weißen Sandstrand. Genau zur richtigen Zeit, denn der Himmel taucht sich in das Licht des Sonnenaufgangs und die watteweichen Wolken ergießen sich wie hellrosa und orangfarbene Kotze auf den Pazifik. Wunderschön.
 Sobald ich meinen faszinieren Blick von diesem Wunder, meinem ersten Sonnenaufgang im Pazifik, losreißen kann, blicke ich zu Gerson.

Und es juckt ihn überhaupt nicht. Er schlürft daran vorbei, so wie ich in Jogginghose auf  meinem Weg zum Bäcker ,nachdem ich die letzte Nacht nicht ganz so nüchtern überstanden habe; im Gegensatz dazu laufe ich vor dem leuchtenden Sonnenaufgang wie ein Kind, das zum ersten Mal aus dem Käfig gelassen wird und Tageslicht sieht. Aufmerksam, mit offenem Mund, bereits Pläne für die Hütte schmiedend, die ich mir hier für den Rest meines Lebens bauen werde.
Als wir vier mit knurrendem Magen und glücklichen Mienen wieder zur Rangerstation zurückkehren, wartet schon das perfekte Frühstück auf uns: Gebratene Kochbananen, Gallo Pinto, Rührei, Papaya und Melone. Einfach himmlisch!



Sonne, Satt und Telenovelas

Gerade wenn man denkt, der Tag könnte nicht interessanter werden, brechen vier neugierige Erwachsene wieder zu einer Wanderung in den sie umgebenden Regenwald auf. Kein Rätsel soll ungelöst, keine Frage ungestellt, keine Vermutung unbegründet bleiben und so kommt es, dass vier erwachsene Menschen, um 11:00 vormittags vor einem Baum stehen, um sich die Klitoris eines Affenweibchens durch das Teleskop anzusehen. Wir sind nicht weird oder so. Aber Gerson meinte beim ersten Blick auf die Affen (ohne Teleskop wohlgemerkt), dass es sich um Weibchen handle. Und ich musste natürlich unbedingt hinterfragen, wie er so etwas herausgefunden wollen hat. Nun ja, ein durchaus interessantes Gesprächsthema, um sich auf der Wanderung besser kennenzulernen.
Zurück in der Basis wird nach dem Essen erstmal gechillt. Ich gehe nach vorne und setze mich auf die Veranda. Es ist der 2. Dezember, ich lege meine Beine hoch und genieße die Sonnenstrahlen auf meiner Haut und den Blick in den immergrün leuchtenden Dschungel gerichtet. Ach ja, das hier ist unglaublich schön.


Die Lokals in der Station erzählen mir ihren ganzen Tratsch, teils weil ich Spanisch sprechen kann und teils weil ihnen dort, abgeschieden von jeglicher Zivilisation, schon einmal langweilig werden kann. Das ist auch so ein Ding in Lateinamerika. Dir wird jeglicher gossip erzählt, auch oder gerade weil du überhaupt nicht gefragt hast. Und irgendwie interessiert es einen dann schon ein ganz klitzekleines Bisschen. Fragen würde ich aber nie. Jedenfalls bringe ich diesmal in Erfahrung, dass die zwei Spanierinnen aus meinem Bus immer während der Essenszeiten heimlich auf der Toilette verschwinden, um Mitgebrachtes zu essen (OH MEIN GOTT). Obwohl das innerhalb des Parks verboten ist und die Gäste deshalb freundlich dazu gezwungen wurden, in einem Restaurant zu essen. Es gibt aber nur Eins. Innerhalb von einem 9-Stunden-Radius. Tja. Da bekomme ich aber wirklich Entscheidungsschwierigkeiten. Glücklicherweise ist das Essen in der Sirena Station genau so köstlich, wie es in allen Tripadviserbewertungen steht (Das Essen wurde in jedem, wirklich jedem Kommentar erwähnt. Ich interessiere mich natürlich nicht für das artenreiche Wildleben, die Natur oder die paradiesischen Strände, welche ich im Park bestaunen kann. Hauptsache das Mittagessen ist gut!!)
Apropos Essen. Als ich heimlich an meinen Shirts rieche, um anhand des Grades meiner Gesichtsverzerrung festzustellen, welches etwas weniger stinkt, und welches ich also an meinem letzten Tag anziehen werde, erwischt mich die Putzfrau dabei und lacht. Aber da wir in einer Telenovela leben, haut sie gleich eine wunderbare Geschichte raus: Erst gestern hätte sie einen Typen beobachtet, der auch an seiner Kleidung gerochen hat. 
Allerdings an seiner Unterhose. HINTEN an seiner Unterhose. Na lecker.


Wer weiß, was sie über mich erzählen werden.




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